Metallbaukasten

 
TRONICO-Traktor mit TRONICO-Anhänger

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  Nach einer kreativen Pause im Jahr 2014 sollte es 2015 wieder ein ferngesteuertes Modell sein. Um nicht wieder ein Modell in mühevoller Kleinarbeit selbst konstruieren zu müssen, wurde diesmal nach einem passenden Bausatz gesucht.

Der Blick fiel auf die Firma TRONICO, die seit einigen Jahren Metallbaukasten-Bausätze für Modelle unterschiedlicher Maßstäbe anbietet. Hauptsächlich sind dies landwirtschaftliche Fahrzeuge, das TRONICO-Programm umfasst aber auch viele andere Modelle.
Die Modelle sind sowohl konstruktiv als auch farblich ansprechend gestaltet und bestehen aus Material im Rastermaß 10mm; die Teile wirken dadurch recht zierlich. Eine besondere Eigenart sind die quadratischen Bohrungen.
Wenn man einen Metallbaukasten-Bausatz sucht, dann lohnt es sich auf jeden Fall, im TRONICO-Katalog bzw. auf der TRONICO-Webseite zu stöbern.

Da der häusliche "Fuhrpark" bislang noch kein landwirtschaftliches Fahrzeug enthielt, fiel die Wahl auf ein Modell des Groß-Traktors Massey Ferguson MF 8690 mit Anhänger Krampe Big Body 460 E im Maßstab 1:16.
Diesen Traktor gibt es sowohl in einer unmotorisierten Ausführung als auch bereits motorisiert und ferngesteuert - der Einfachheit halber wurde die zweite Variante gewählt.


Massey Ferguson MF 8690
Massey Ferguson MF 8690 ...
 
Krampe Big Body 460 E
... und Krampe Big Body 460 E




Traktor

Nach dem Öffnen der Verpackung und Herausnehmen der Bauanleitung sieht man neben dem Fernsteuer-Sender erstmal viel Plastik und wenig Metall.

Das liegt daran, dass der Antrieb aus einer kompletten funktionstüchtigen Einheit aus Kunststoff besteht und lediglich der Traktor-Aufbau zusammengeschraubt werden muss.
Dennoch gibt es an diesem Modell noch reichlich Schraub-Arbeit.
Die geöffnete Verpackung
Die geöffnete Verpackung


Dank der großzügig abgefassten Anleitung gestaltete sich der Aufbau als unproblematisch und bedarf an dieser Stelle keiner weiteren Erläuterung. Zu bemerken ist evtl., dass der Einsatz einer Flachzange und einer Pinzette hilfreich ist, aber das ist im Modellbau nichts Besonderes.

Der Zusammenbau ist allerdings keine Tätigkeit für einen halben Nachmittag - zumindest dann nicht, wenn man es einigermaßen sorgfältig machen möchte. Im vorliegenden Fall hat es vom Öffnen der Verpackung bis zur ersten Probefahrt ca. 14 Stunden gedauert.

Während des Aufbaus zeigten sich hinsichtlich der Farbgebung einzelner Kleinteile diverse Abweichungen zwischen Anleitung und vorhandener Teile, am fertigen Modell fällt das aber nicht auf.

Letztendlich fehlten wohl auch 6 Muttern; da es sich um normale M4-Muttern handelt, konnten ohne Weiteres Muttern aus dem häuslichen Magazin verwendet werden.

Der nach Bauanleitung montierte MF 8690:


Traktor 1
 
Traktor 2


Nach wenigen Monaten wurde ein kleiner Schaden bemerkt, der sich aber relativ einfach vermeiden lässt:
Der Bausatz enthält mehrere Kunststoff-Hülsen in unterschiedlichen Farben, mit denen diverse Beleuchtungseinrichtungen nachgebildet werden. Zum Teil werden die Hülsen separat angeschraubt, teilweise aber auch gemeinsam mit mechanischen Verbindungen - und das ist problematisch.
Schraubverbindungen unter Benutzung von Kunststoffteilen können in der Regel nicht dauerhaft ausreichend fest angezogen werden, da das Material "fließt". Außerdem reißen die Hülsen nach kurzer Zeit auf, wenn man sie zu stark zusammenpresst - genau das war passiert.


Kunststoff-Hülsen
Kunststoff-Hülsen
Wenn man sich dauerhaft an den Kunststoff-Hülsen erfreuen möchte, dann sollte man diese nur locker anschrauben und mechanische Verbindungen mit einer separaten Mutter herstellen.

Einzeln angeschraubte Hülsen können mit 2 gekonterten Muttern oder mit einer selbstsichernden Mutter montiert werden (siehe gelbe Hülse).

In Verbindung mit einer mechanischen Befestigung wurde hier eine separate Flachmutter verwendet (siehe grüne Hülse).




Anhänger

Die Montage des Anhängers war deutlich trickreicher, als die des Traktors - das Modell wird nicht ohne Grund als "Profi Series" geführt.
Zum Einen liegt es möglicherweise daran, dass die Anleitung nicht ganz so ausführlich ist, wie die des Traktors. Hauptsächlich liegt es aber daran, dass die Konstruktion nicht in allen Details optimal ist und sich einzelne Details deshalb nicht so umsetzen lassen, wie es die Anleitung vorgibt - aber mit etwas Zeit, Geduld und Improvisation lässt sich ein solider und gut funktionierender Anhänger aufbauen.

Bis zur Baustufe 10 gab es keinerlei Probleme - eine Beschreibung erübrigt sich deshalb.


Baustufe 11
beschreibt den Zusammenbau des Rahmens, und hier gibt es 2 Details, die sich nicht nach Anleitung montieren lassen.


Detail 1
ist der hintere Bereich der Rahmen-Längsträger.

Hier ist ein Lagerbügel unter 45-Grad-Schräge zu montieren. Dazu müsste der Lagerbügel einen Lochabstand in Höhe des Diagonalmaßes des Rasters haben - also 14 mm; dies ist aber nicht der Fall.
Wenn es unbedingt schräg sein soll, dann muss man entweder massiv feilen oder aber man verwendet M3-Schrauben und muss dann nicht ganz so viel feilen (siehe Bild rechts).
Detail 1
Detail 1

Detail 1: Lösung durch senkrechte Montage
Detail 1: Lösung durch senkrechte Montage
Am einfachsten ist es, den Lagerbügel nicht schräg, sondern senkrecht zu montieren und die Querverbindung nach unten zu verlegen - dann können alle Teile so bleiben, wie sie sind.

Detail 2
bemerkt man, wenn man die Längsträger querverbinden will.

Da die Lagerbügel beidseitig bereits Schrauben und Muttern haben, passt zwar gerade noch eine Schraube senkrecht dazwischen, aber keine Mutter mehr.
Detail 2
Detail 2
Detail 2: Lösung mit Flachmuttern
Detail 2: Lösung mit Flachmuttern
Hier kann man entweder ebenfalls eine M3-Schraube ausprobieren mit der Hoffnung, dass die Mutter ausreichend klein sein wird, oder aber man setzt an den betroffenen Stellen M4-Flachmuttern ein (siehe Bild links).


Baustufe 12
Zur Befestigung der Deichsel sind u. a. 2 grüne Kunststoff-Hülsen als Abstandshalter vorgesehen.
Hier tritt das gleiche Problem auf, wie bereits beim Traktor beschrieben - die Verbindung wird nicht dauerhaft ausreichend fest sein bzw. die Kunststoff-Hülsen werden nach kurzer Zeit aufreißen. Abhilfe schaffen hier entweder (metallische) Unterlegscheiben oder metallische Abstandshülsen passender Länge (ohne Bebilderung).

Als Auflage für die Kippmulde dient laut Anleitung ebenfalls eine grüne Kunststoff-Hülse.
Diese wurde durch einen kleinen Schwingungsdämpfer mit M4-Gewinde aus dem häuslichen Magazin ersetzt (ohne Bebilderung).



Baustufe 13
beschreibt u. a. die Lagerung für die Kipp-Mulde. Diese ist leider nicht sehr belastbar und zudem ist der Kippwinkel recht klein.

Diesen Bereich sollte man deswegen verstärken und hierfür gibt es sicher mehrere Möglichkeiten.
Im vorliegenden Fall wurden andere Baukasten-Teile verwendet, die sich im häuslichen Magazin fanden.
Lagerung für Kipp-Mulde
Lagerung für Kipp-Mulde


Scheren-Kippmechanik

Scheren-Kippmechanik
Es ist auch nicht verkehrt, die Scheren-Kippmechanik etwas zu versteifen.

Zu diesem Zweck wurden die parallel verlaufenden Flachbänder mittels Gewindestangen miteinander verschraubt und die Achse der Schere ebenfalls stabilisiert.
Der gesamte Aufbau bekommt dadurch einen recht soliden Eindruck.

Die nicht sehr originell aussehende Alu-Platte dient als neuer Anschlag für die Schere - dadurch bleibt die gekippte Mulde in einer steileren Position stehen.


Baustufe 14
beschreibt die Endmontage der vorgefertigten Teile.

Die Heckklappen-Mechanik funktioniert leider nicht gut, weil sich die Schraubenköpfe gegenseitig behindern.

Wohl dem, der noch ein paar alte M4-Skalenschrauben mit superflachem Kopf im häuslichen Magazin findet - mit solchen Schrauben funktioniert die Heckklappe deutlich besser.
Heckklappe
Heckklappe


Abschließend wurde noch die Achse des Anhängers nach vorn verlegt, damit kein unnötig hohes Gewicht auf dem Traktor lastet.
Das entspricht zwar nicht dem Original, aber hierbei ist zu bedenken, dass die Antriebsachse des Traktors kein Differenzial hat und die Lenkung des Modells dadurch von vorn herein beeinträchtigt wird. Ein unnötig hohes Gewicht auf der Anhänger-Kupplung würde die Vorderräder entlasten und somit das Lenkverhalten noch mehr beeinträchtigen.

Vom Öffnen der Verpackung bis zur ersten Probefahrt hat der Aufbau des Anhängers nahezu 20 Stunden beansprucht; einige Modifikationen wurden danach noch durchgeführt.

Der (fast) fertige Krampe 460 E:


Anhänger 1
 
Anhänger 2


Nach den ersten Probefahrten zeigte sich ein Nachteil, den man beseitigen sollte:
Beide Räder werden laut Bauanleitung auf die Welle geschraubt und können sich dadurch theoretisch nicht unabhängig voneinander drehen. Praktisch wird sich aber früher oder später ein Rad abdrehen und sich verselbstständigen - auch ein Tropfen Sekundenkleber konnte das nicht verhindern.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Räder unabhängig voneinander drehen zu lassen, allerdings sollte im vorliegenden Fall die Konstruktion ohne zusätzliche Lagerstelle auskommen und zugleich die Gewinde in den Rädern erhalten bleiben.


Die geteilte Achse
Die geteilte Achse
Dazu wurde die Original-Welle in der Mitte durchgesägt und ein Rohr mit 4mm Innendurchmesser auf die Halbwellen geschoben.

Jede Hälfte wurde mit einem Stellring und Unterlegscheiben versehen und die derart modifizierte Welle montiert.

Nach Aufschrauben der Räder und deren Fixierung mittels selbstsichernder Muttern wird jede Halbwelle durch den Stellring gesichert und vom aufgeschobenen Rohr in Position gehalten; ein Tropfen Öl sorgt für geschmeidigen Lauf der Räder.

Durch diese Maßnahme lässt sich der Anhänger in den Kurven spürbar leichter ziehen.

Das fertige Gespann in Aktion:

Gespann 1
 
Gespann 2




Überarbeitung der Lenkung und der Fernsteuerung

Beim Betrieb des Modells erkennt man diverse Eigenschaften, die dem Modell eher den Charakter eines Spielzeugs geben.

Dies betrifft in erster Linie die einfache Fernsteuerung. Sie funktioniert, aber sie arbeitet eben nicht proportional - sowohl der Motor als auch das Lenkservo werden lediglich ein- und ausgeschaltet. Zudem ist das Lenkservo recht schwach und der Lenkwinkel sehr klein.
Selbstverständlich ist das immer im Verhältnis zum Preis zu betrachten, aber diese Eigenschaften werden einen RC-Modellbauer auf Dauer kaum befriedigen können - und hieraus ergeben sich die Ansätze für eine Überarbeitung des Modells.

Die Überarbeitung betrifft ausschließlich die Antriebseinheit und diese war zunächst dahingehend zu untersuchen, ob Standard-Fernsteuer-Komponenten überhaupt aufgenommen werden können.


Die geöffnete Antriebseinheit
Die geöffnete Antriebseinheit
Das Bild zeigt die geöffnete Antriebseinheit.
Von links nach rechts sind zu erkennen das Lenkservo, die Fernsteuer-Elektronik und der Antrieb.
Dieser besteht wiederum aus einem Motor der Klasse Mabuchi 380 mit angebautem Getriebe. Da der Antrieb sehr speziell und ausreichend kraftvoll ist, wurde er im Original-Zustand belassen.

Insgesamt ist das Innenleben sehr überschaubar und das vorhandene Volumen bietet ausreichend Platz für den Einbau von Standard-Fernsteuer-Komponenten.


Allerdings wurde die Entstörung des Motors nach hochfrequenztechnischen Belangen verbessert (siehe auch
Entstörung von Kollektor-Motoren).
Ob das tatsächlich notwendig war, sei dahingestellt, aber ein späteres erneutes Öffnen der Antriebseinheit aus diesem Grund wäre sehr lästig gewesen.

Auf dem Bild ist außerdem erkennbar, dass ein Draht des vorhandenen Kondensators viel zu lang ist und leicht Kontakt zum anderen Motoranschluss bekommen könnte - sowas nennt man dann "Kurzschluss" und dieser führt zum Ausfall des Modells.
Vorhandener Entstörkondensator
Vorhandener Entstörkondensator
(104 bedeutet 100nF)


Die Überarbeitung der Lenkung erforderte den größten Aufwand, da neben der Maximierung des Lenkwinkels auch ein Lenktrapez vorgesehen war. Außerdem sollten die Vorderräder nicht mehr auf Gewinde laufen, sondern auf glatten Wellen.
Darüberhinaus wurde über den Einbau einer Pendelachse nachgedacht, aus Gründen des damit verbundenen zusätzlichen Aufwands wurde aber davon abgesehen.



Original-Lenkung
Original-Lenkung
Nebenstehendes Bild zeigt die Teile der Original-Lenkung nach Entfernung des Lenkservos.

Die Räder sind hierbei maximal eingeschlagen; man sieht, dass der erreichbare Lenkeinschlag mit errechneten ca. 12° sehr klein ist.


Um die Original-Kunststoff-Teile zu erhalten, wurden alle erforderlichen Teile aus Metall nachgebaut.

Im Wesentlichen sind der speziell geformte Lenkhebel aus Alu-Blech sowie das Lenk-Gestänge aus Stahldraht erkennbar. Des Weiteren wurden Stellringe, abgesägte Schaftschrauben, Hülsen, und Scheiben verwendet.

Auch als Achsschenkel dienen Schaftschrauben mit abgesägten Köpfen. Die Vorderräder laufen auf deren glatten Schäften und werden von Stellringen gesichert.
Überarbeitete Lenkung

Überarbeitete Lenkung


Das Original-Lenkservo ist mit einem sog. "Servo-Saver" ausgestattet. Das ist ein einfacher Feder-Mechanismus, der das Servo vor allzu harten Stößen schützen soll und ist in der Regel eine sinnvolle Einrichtung.

Standard-Lenkservo
Standard-Lenkservo
Mit dem Einbau eines Standard-Servos war für einen Servo-Saver leider kein Platz mehr. Damit das neue Lenkservo nicht gleich beim ersten Stoß schon Zahnausfall bekommt, wurde ein hochwertiges Servo mit kugelgelagerten Metall-Zahnrädern eingebaut.

Zur Befestigung konnten in der unteren Halbschale der Antriebseinheit sogar Teile der Halterung des Original-Servos benutzt werden, in der oberen Halbschale war dagegen reichlich Material abzufräsen.


Ein passender 2-Kanal-AM-Empfänger (40MHz) fand sich noch im häuslichen Magazin und ein kleiner Fahrtregler wurde bei CONRAD erworben.
Beide Teile konnten nach Abfräsen der ursprünglichen Halterungen eingebaut und mit Klebeband fixiert werden.

Als letzte Maßnahme wurde noch ein Akku-Verbindungsstecker angeschlossen, um das Modell zukünftig auch mit Akkus betreiben zu können. Dieser ist auf dem Bild aber nicht zu sehen.
Das neue Innenleben
Das neue Innenleben


Äußerlich ist der umgebaute Traktor vom Original-Modell kaum zu unterscheiden.
Das Antennenröhrchen kommt jetzt aus dem Auspuff, da es so am günstigsten erschien. Um den maximalen Lenkwinkel zu erreichen, mussten die vorderen Kotflügel geringfügig nach vorn gedreht werden. Und die Vorderräder werden von Stellringen gesichert, anstatt von gekonterten Muttern.
Im hinteren Bereich fehlt jetzt die Kunststoffplatte, auf der die Original-Antenne befestigt war.


Der umgebaute Traktor von links vorn ...
Der umgebaute Traktor von links vorn ...
 
... und von rechts hinten
... und von rechts hinten


Abschließend noch ein Video des TRONICO-Gespanns (75s / 16MB).


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