Laufrad einspeichen

 
 

Informationen zum Einspeichen der Räder

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  Da die Verwendung von Edelstahl - Speichen immer wieder auf Bedenken stößt, hier zunächst der Hinweis, dass die von Firma Kedo bezogenen Speichen ca. 1/2mm dicker sind, als die Original - Speichen; die Stabilität sollte damit kein Thema mehr sein.

Ein Laufradmechaniker wird vermutlich darüber lächeln, aber einen Laien kostet es schon etwas Überwindung, sich für das Einspeichen eines Rades zu entscheiden (mir ging es jedenfalls so). Letztendlich war es aber einfacher als erwartet; man braucht dazu nur etwas Zeit und Geduld.

Zuerst dachte ich, wie beim Fahrrad die alten Speichen einzeln lösen und durch Neue ersetzen zu können. Das kann man vergessen; es funktioniert nicht.
Es half also nichts; alle Speichen mussten raus. Aber Vorsicht: hat man kein Ersatzrad als Vorlage für das Einspeichen, sollte man vorher ein aussagekräftiges Foto machen und/oder eine Skizze anfertigen.

Das Ausspeichen war kein Problem, obwohl die Nippel fester angezogen waren, als ich erwartet hatte; aber das muss wohl so sein. Je nach Verrostungsgrad muss dabei evtl. auch zur Säge gegriffen werden.
Sind alle Speichen entfernt, kann man Nabe und Felge erstmal gründlich reinigen bzw. aufpolieren.

Dann wird es spannend; das Einspeichen kann beginnen.
Im Gegensatz zum Fahrrad besteht der Speichensatz allein des XT-Vorderrades aus 4 "Gruppen" unterschiedlicher Speichen.
Sie unterscheiden sich nach Länge und/oder Kröpfungswinkel des Speichenkopfes. Geliefert werden die Speichen deshalb in unterschiedlichen Tüten, die man auch sorgfältig auseinanderhalten sollte.
Ein weiterer Unterschied zum Fahrrad besteht darin, dass sich eine Speiche nicht "mal eben" etwas verbiegen lässt, um sie an anderen Speichen vorbeizuführen.

Nach einigen kurzen erfolglosen Versuchen kommt man darauf, zuerst die Speichen einzusetzen, die im endgültigen Zustand alle in eine Richtung zeigen (so ähnlich wird es im Internet auch für Fahrräder beschrieben). Dadurch ergibt sich max. Bewegungsfreiheit der Nabe beim Einsetzen der anderen Speichen.
Da außerdem die äußeren Speichen der linken Seite (in Fahrtrichtung gesehen) nur zuletzt montiert werden können (sie haben nach außen max. Bewegungsfreiheit), liegt die Reihenfolge im Prinzip fest.

Begonnen habe ich also mit den äußeren Speichen der rechten Seite. Die zugehörigen Bohrungen in der Felge ermittelt man anhand eines anderen Rades oder des Fotos bzw. der Skizze. Alle Speichen werden mit ein paar Gewindegängen befestigt.

Es folgen die inneren Speichen der linken Seite, da diese ebenfalls in die gleiche Richtung zeigen; die Bewegungsfreiheit der Nabe bleibt dadurch erhalten.

Schwieriger wird es bei den inneren Speichen der rechten Seite, welche im endgültigen Zustand in die entgegengesetzte Richtung zeigen sollen.
Dazu habe ich das Rad nach dem Einhängen der Speichen flach auf den Tisch gelegt und die Speichen entgegengesetzt der Vorhandenen ausgerichtet. Das ist wichtig, denn wenn eine der Speichen befestigt ist, lässt sich die Nabe nur noch eingeschränkt verschieben.

Zuletzt werden die äußeren Speichen der linken Seite montiert. Das ist sehr einfach, da sie von innen durch die Nabe gesteckt werden und außen beliebig beweglich sind.

Nachdem alle Speichen montiert sind, werden die Nippel so weit hineingedreht, bis die Schäfte der Nippel das Gewindeende der Speichen erreicht.
Anschließend geht es mit jeweils 1/4 Umdrehung weiter, bis alle Speichen handfest angezogen sind.
Spätestens jetzt braucht man eine Vorrichtung zum Zentrieren; im einfachsten Fall ist es eine senkrecht im Schraubstock eingespannte Achse, auf der das Rad waagerecht drehen kann.

Ist die Felge nicht verzogen (was eigentlich der Fall sein sollte), dann läuft das Rad bereits erstaunlich rund, auf jeden Fall aber innerhalb des im Handbuch zugelassenen Seiten- und Höhenschlages von 2mm.
Ist das nicht der Fall oder will man es besser machen, dann beginnt jetzt die Feinarbeit.
Das Zentrieren erfolgt durch wechselseitiges Lösen und Anziehen (immer noch handfest!) an den richtigen Stellen; hierfür braucht man etwas Gefühl und die meiste Zeit.
Allzu übertriebener Ehrgeiz scheint hierfür aber nicht angebracht.

Läuft das Rad ausreichend rund, dann kann man mit dem Spannen beginnen.
Aber bitte vorsichtig, denn man hat nur einen Versuch! Ist die Felge erst einmal verzogen, dann kann man sich wahrscheinlich ruhigen Gewissens davon trennen...
Anfangend an der Ventilbohrung werden die handfest angezogenen Speichen der Reihe nach wieder um eine 1/4 Umdrehung fester gezogen und anschließend die Zentrierung kontrolliert.
Ist alles in Ordnung, kann wahrscheinlich eine weitere 1/4 Umdrehung nachgezogen werden, möglicherweise aber auch etwas weniger oder mehr; das muss man im Gefühl haben.

Über das Anzugsmoment kann ich leider keine Angaben machen; die Speichen müssen halt gut (und idealerweise gleichmäßig) fest sein, was man am Klang der z. B. mit einem Schraubendreher angeschlagenen Speichen feststellen kann. Längere Speichen klingen dabei natürlich etwas tiefer, kürzere entsprechend höher.
Bei Fahrrädern wird die Zentrierung nach ein paar Kilometern überprüft und die Speichen gegebenenfalls nachgespannt. Inwieweit das bei Motorrädern erforderlich und sinnvoll ist, weiß ich (noch) nicht.

Als Belohnung für die Mühe erhält man ein Rad, was alles andere im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten stellt: Polierte VA-Speichen in einer polierten Alu-Felge mit gereinigter Nabe und neuem Reifen sind eine Augenweide für jeden Motorradfahrer :-).


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