Chinesische Seidenstraße und Kirgistan
(2017)



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Um es gleich vorab zu sagen: Wenn man China von seiner schlimmsten Seite kennenlernen will, dann muss man in die Provinz Xinjiang fahren.

Das liegt aber nicht etwa an Land und Leuten - nein, ganz im Gegenteil.
Die Chinesen waren uns gegenüber stets freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. Viele wollten sich mit uns "Langnasen" fotografieren lassen, mit anderen haben wir getrunken, gelacht und herumgealbert - besonders amüsant war hierbei natürlich, wenn die Langnasen versucht haben mit Stäbchen zu essen.
Mit einigen Chinesinnen und Chinesen konnten wir sogar das eine oder andere Tänzchen wagen auf dem "Volksplatz", den es in jeder größeren Stadt gibt und auf dem man sich abends zum Flanieren und Tanzen trifft. Solche Erlebnisse gehören zweifellos zu den schönsten Momenten einer Reise und entschädigen für Vieles.



Weitgehend unbekannt dürfte hierzulande sein, dass die chinesische Provinz Xinjiang ein Polizei- und Überwachungsstaat ist, wie er vermutlich nur von Tibet oder Nordkorea übertroffen wird. So deutlich haben wir das in keinem Reiseführer gelesen und so extrem haben wir es auch in Peking nicht annähernd erlebt.
Xinjiang ist eine hauptsächlich von ethnischen Minderheiten bewohnte Unruhe-Provinz. Um jeglichen Aufstand im Keim zu ersticken hat China in Xinjiang einen enormen Polizeiapparat installiert - und damit wird man auch als Tourist täglich von morgens bis abends konfrontiert. Auf Details möchten wir an dieser Stelle verzichten, aber als Europäer hat man für derartige Gängeleien und Einschüchterungs- und Zermürbungsmachenschaften meist nur ein begrenztes Verständnis.

Polizisten und polizeiliche Einrichtungen dürfen selbstverständlich nicht fotografiert werden, was angesichts der enormen Präsenz in den Städten schwierig sein kann. Hat man versehentlich einen Polizisten oder eine polizeiliche Einrichtung "erwischt" und wurde dabei beobachtet, dann wird man genötigt, das Bild oder den Clip zu zeigen und gegebenenfalls zu löschen - das passiert leider viel schneller, als einem lieb ist.

Ein weiterer Hinweis:
In dieser Region Chinas wird praktisch ausschließlich mit Stäbchen gegessen - soll heißen, dass auch in "internationalen" Hotels und größeren Restaurants Messer und Gabel weitestgehend unbekannt sind. Wenn man im Umgang mit Stäbchen ungeübt ist und trotzdem satt werden will, dann sollte man sich ein einfaches Besteck von zu Hause mitnehmen. Wenn man lange genug sucht, dann bekommt man Messer und Gabel notfalls aber auch in irgendwelchen Haushaltswarengeschäften vor Ort.
Das Problem folgt postwendend:
Wenn man das Besteck stets mit sich führt, dann wird es bei einer der immer wiederkehrenden Durchleuchtungen des Handgepäcks mit Sicherheit entdeckt. In diesem Fall muss man den Beamten umständlich erklären, dass man mit dem Besteck niemanden umbringen will, sondern es lediglich für das eigene Überleben braucht - auch das ist nicht immer ganz einfach.



Auf die Kontrollen bei der Ein- und Ausreise muss man eigentlich nicht eingehen, aber auch hierbei hat man den Eindruck, dass die Chinesen einen gern unnötig warten lassen.
Die Ausreise über den Torugart-Pass nach Kirgistan ist allerdings eine besondere "Schmakazie", die wir dem interessierten Leser nicht vorenthalten möchten.

Der Torugart-Pass liegt auf einer Höhe von etwa 3750m mitten in den Bergen, die chinesische Grenzstation befindet sich aber schon ca. 80km vor dem Pass unten im Tal, wo es noch schön warm ist - und hier muss man durch.
Die Abfertigung unserer Gruppe von 20 Personen hat ca. 3 Stunden gedauert - eine Zeit, in der man hauptsächlich irgendwo herumsitzt (wenn man Glück hat) bzw. meist irgendwo herumsteht - ein vernünftiger Grund ist dafür nicht erkennbar. Gelegentlich wird man aufgefordert, genau hintereinander einzeln in der Reihe zu stehen und leise zu sein - wie früher in der Schule. Und wenn man in dieser zunehmend gereizten Situation an den Wänden dann noch Werbeplakate sieht mit der Aufschrift "Sunshine Service", dann würde man gern auch schonmal um sich schlagen.
Irgendwann hat man es endlich geschafft und besteigt den Bus, der einen durch 80km Sperrgebiet auf die Passhöhe bringen soll. Es ist selbstredend, dass der Busfahrer eine spezielle Genehmigung für das Sperrgebiet haben muss, zur Sicherheit setzt man aber noch einen speziellen Guide dazu, damit der Bus auch ganz sicher nicht vom rechten Weg abkommt.

Im Sperrgebiet darf der Bus nicht grundlos anhalten, was angesichts der wenig attraktiven Umgebung aber kein großer Verlust ist. Bereits nach wenigen Kilometern kommt ja auch schon die nächste - na, was wohl? Richtig, die nächste Passkontrolle. Also alle wieder aussteigen, warten, Pässe zeigen, warten und wieder einsteigen - aber auch von hier geht es irgendwann endlich weiter und langsam aber sicher den Berg hinauf.

Etwa 5km vor dem Pass kommt zur Abwechselung endlich mal eine - richtig, Passkontrolle. Wenn man Pech hat und sich erdreistet, während der etwa 3-stündigen Pause hier einzutreffen, dann wartet man erstmal - hier oben ist es allerdings schon deutlich kälter und ungemütlicher.

Aber auch hier ist man irgendwann durch und erreicht dann nach wenigen Minuten tatsächlich den Torugart-Pass - dass man das noch erleben darf!
Hier oben gibt es einen hohen Zaun mit einem großen Tor. Man verlässt den chinesischen Bus mit sämtlichem Gepäck und wartet nun vor dem Tor. Nach der gefühlt etwa 20. Passkontrolle dieses Tages wird das Tor geöffnet und man ist einfach nur noch glücklich, dieses Land verlassen zu dürfen mit der Gewissheit "EINMAL UND NIE WIEDER".

Wenn alles nach Plan läuft, dann wartet auf der anderen Seite bereits der kirgisische Bus und die Reiseleitung begrüßt einen mit den Worten: "Willkommen in der Freiheit". Und genau so fühlt man sich auch, denn das ganze Prozedere des Grenzübertritts erinnert in der Tat sehr stark an einen Gefangenen-Austausch.
Vor allem aber wird deutlich, dass Individualreisende in China einen schweren Stand haben - für einen solchen Grenzübertritt müsste man ALLES selbst organisieren.



Natürlich haben wir unterwegs viel Neues, Interessantes und Exotisches gesehen und erlebt - deshalb wollen wir eine Reise an die Chinesische Seidenstraße keieswegs komplett schlechtreden, zumal wir auch unsere persönlichen Highlights hatten.
Aber wenn man mit dem allgegenwärtigen Sicherheits- und Kontrollwahn und den damit verbundenen Gängeleien, Einschüchterungs- und Zermürbungsmachenschaften nicht zurechtkommt, dann sollte man wirklich zweimal überlegen, ob man sich eine Reise in diese Region tatsächlich antun will. Wir hatten nach den 2 Wochen jedenfalls gründlich die Nase voll und daraus machen wir auch keinen Hehl.



Die Reise wurde von der Firma www.studiosus.com angeboten und dauerte 18 Tage.
Organisation, Durchführung und Betreuung der Reise können trotz einiger Widrigkeiten wohlwollend noch als gut bezeichnet werden.

Zu diesen Widrigkeiten gehörte z. B., dass mehrere Sehenswürdigkeiten aus diversen Gründen nicht besichtigt werden konnten. Sowas ist immer ägerlich, da man genau wegen dieser Sehenswürdigkeiten an die Seidenstraße fährt und dafür viel Geld bezahlt.
Hier wär es wünschenswert gewesen, einen einigermaßen attraktiven Plan B in der Schublade zu haben, anstatt erstmal nicht zu wissen, was man mit den Reisegästen sonst anfangen soll. In Dunhuang gab es mit der Besichtigung eines sehenswerten buddhistischen Klosters zwar einen attraktiven Plan B, aber das war eher Zufall.
Eine weitere Attraktion in Dunhuang sind die Sanddünen unmittelbar vor der Stadt. Für eine ausgiebige Besichtigung dieser Dünen war die Zeit viel zu kurz - man musste zu den Dünen laufen, auf eine Düne hinaufhetzen, hatte vielleicht 15 Minuten oben auf der Düne, musste dann wieder hinunterhetzen, und wenn man dann noch kurz an den Mondsichelsee wollte, wurde es bereits dunkel und man kam auch noch zu spät zum Treffpunkt zurück - das ist ein großer Minuspunkt dieser Reise.
Auch von den vielen in der Reisebeschreibung erwähnten Foto-Stopps sind aus Zeitgründen höchstens die Hälfte übrig geblieben. Einerseits hätte man oftmals morgens etwas früher starten können, andererseits haben auch etliche der vielen besch....... Polizeikontrollen viel Zeit gekostet.
Die Häufung solcher Widrigkeiten drückt natürlich die Stimmung in der Gruppe. Allein durch das stets optimistische Wesen des Reiseleiters, der sein enormes Fachwissen zudem recht amüsant vermitteln konnte, wurde einiges wieder wettgemacht.

Empfehlen können wir diese Reise trotzdem nicht - dafür gab es zu viele Ungereimtheiten und Abweichungen von der nach unserer Meinung viel zu blumig verfassten Reisebeschreibung, welche letztendlich die Grundlage für die Buchung einer Reise ist.




1. und 2. Tag

Anreise mit Air Astana von Frankfurt in die kasachische Hauptstadt Astana und Weiterflug nach Ürümqi, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Xinjiang.

Ankunft gegen Mittag des zweiten Tages und Bezug des Hotelzimmers.

Bereits der erste Museumsbesuch (Xinjiang-Museum) am Nachmittag musste ausfallen, da es im Museum angeblich keinen Strom gab. Stattdessen Besuch des Internationalen Basars in Ürümqi.
Naja - ein Ausflug in den Hongshan-Park mit Aussicht auf die Stadt wär uns deutlich lieber gewesen. Gelegenheiten zum Besuch von Basaren gab es auf dieser Reise noch genug und darauf hätte die Reiseleitung auch hinweisen können.


Landeanflug nach Ürümqi




Ürümqi aus dem Hotelzimmer gesehen


Unterwegs in der Stadt




Eine chinesische Zahnklinik


Die tatarische Moschee




Am Internationalen Basar


Jede Menge Nüsse und Gewürze





3. Tag

Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug ins 800km entfernte Liuyuan, Fahrzeit ca. 5 Stunden.
Von Liuyuan 130km mit dem Bus nach Dunhuang.

Bezug des Hotelzimmers und kurzer Spaziergang durch Dunhuang.

Nach dem Abendessen am frühen Abend Fahrt und Wanderung zu den Singenden Sanddünen vor der Stadt - wie bereits oben erwähnt war der Aufenthalt hier leider viel zu kurz.




Riesige Windkraftanlagen am Rande der Wüste




Die Fahrt geht teilweise ...


... durch bizarre Landschaften




Reste der Großen Mauer auf dem Weg nach Dunhuang


Attraktive Freizeitanlagen in Dunhuang




"Völkerwanderung" zu den Singenden Sanddünen


Der Monsichelsee im fahlen Abendlicht





4. Tag

Besuch der Mogao-Grotten (UNESCO-Welterbe).

Am Nachmittag und abends viel Freizeit in Dunhuang und Gelegenheit zu einer ausgedehnten Erkundung der Stadt.
Ein Besuch der Sanddünen an diesem Nachmittag wär vielleicht vorteilhafter gewesen.




Riesige Windkraftanlagen am Rande der Wüste




Die Fahrt geht teilweise ...


... durch bizarre Landschaften




Reste der Großen Mauer auf dem Weg nach Dunhuang


Freizeitanlagen in Dunhuang




"Völkerwanderung" zu den Singenden Sanddünen


Der Monsichelsee im fahlen Abendlicht





Fortsetzung folgt



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